Murphy´S Law - Teil 28 - Denn Es Ist Weihnachtszei

Murphy´S Law - Teil 28 - Denn Es Ist Weihnachtszei

Murphy´S Law - Teil 28 - Denn Es Ist Weihnachtszeit

Es war der 15. Dezember und Josef und ich hatten alles für die anstehende Party in einem großen Einkaufscenter auf der grünen Wiese besorgt. Josef war etwas genervt und somit fuhr ich den vollbeladenen Wagen zurück.

Auf dem Rückweg fuhr ich an einer Kreuzung, wo wir hätten abbiegen müssen, geradeaus weiter. „Hey, hier hätten wir ab gemusst. Du kennst dich doch mittlerweile hier aus, was ist´n los mit Dir, schläfst Du?“ – „Nein, nein. Ist schon OK!“ – „Wo willst Du denn hin?“ – „Lass Dich überraschen!“

Ich fuhr die Landstraße weiter hin zur Autobahn, bis ich rechts ran fuhr und mitten im Nirgendwo den Wagen abstellte. „Was sollen wir denn hier? Also nach ner Knutscherei im Auto ist mir gerade nicht und nach ner Outdoornummer schon mal gar nicht.“ – „Josef, hier ist glaube ich ungefähr die Stelle, wo wir uns das 1. Mal begegnet sind und ich glaube hier ist der richtige Ort Dir etwas zu geben. Ich zog einen Ring aus der Tasche und hielt ihn ihm hin. “Ich möchte gerne ein Zeichen unserer Verbundenheit nun auch nach außen tragen und möchte Dich fragen, ob Du meinen Ring tragen möchtest?“ – Damit hatte er partout nicht gerechnet und war entsprechend platt. „Ein Verlobungsring?“ – „Wenn Du so willst, oder sagen wir erst mal ein Freundschaftsring. Warten wir doch erst einmal meine Scheidung ab und dann sehen wir weiter.“ – „Vielen lieben Dank“ Er drückte mir einen fetten Kuss auf den Mund, steckte den Ring auf den Finger, knipste das Innenraumlicht an um „seinen Schatz“ besser zu begutachten. „Sehr schön, schlicht und doch stillvoll, genauso wie ich es mag. Hast Du gut ausgesucht. Aber sag mal woher wusstest Du meine Maße? Hast Du etwa den Ring gemopst, den ich letztens gesucht habe?“ – „Ich bin unschuldig, ich hab ihn nicht. Nein, ich habe beim Juwelier gesagt, dass er für Dich wäre und er kannte Deine Größe! Du siehst ich lerne, das hier jeder jeden kennt!“ – „Sehr geschickt, aber hat der Ranselhuber nicht dumm geschaut, dass ein Mann mir einen Ring schenken will?“ – „Hab an alles gedacht, ich habe die Inge aus der Firma mitgenommen, die weiß eh über mich Bescheid und die hat ihn mit ausgesucht und gesagt, Du hättest Deinen Ring verloren und wir wollten Dir zu Weihnachten einen neuen schenken. Also wenn Du ihn mal triffst, dann kennst Du Inge natürlich sehr gut!“ – „Du Schlawiner! Danke noch mal und jetzt heim, wir haben noch viel vorzubereiten.

Als wir in den Innenhof hinein fuhren, schalteten Alois und Karl gerade die Beleuchtung am Tannenbaum ein, den sie dort aufgestellt hatten. Das war eine prächtige Tanne, sicherlich 3 Meter hoch und unzählige Lichter brannten darin. Wir stiegen aus und betrachteten den Baum, ich nahm Josef in den Arm. „Unser 1. Weihnachtsfest. Ich freue mich schon dolle drauf!“ Bevor er etwas antworten konnte, fuhr ein weiterer Wagen in den Hof.

„Oh da kommen wir ja zu spät zum traditionellen Christbaum Anstecken!“ lachte Xaver dicht gefolgt von Dennis. „Nein, das ist nur der Testlauf!“ entgegnete Josef, „erst morgen ist es soweit. Kommt ihr zum Frühstück?“ – „Ja, gerne, aber wieso?“ – „Brauchst Du immer nen Grund? Josef und ich möchten alle unsere Freunde vor Weihnachten noch einmal sehen!“ – „Wieso wir kommen doch am Samstag zusammen!“ – „Schon, aber da ist´s nicht so persönlich.“ – „Das ist natürlich Argument genug!“ – „Klar, wir kommen jerne, Grüß dich, Dominik, schön habd ihrd hier, wa!“ – „Komm her Dennis, lass Dich drücken. Hat´s Dich auch endlich in unsere Gegend verschlagen?“ Mit einem spitzbübischen Lächeln drehte er sich zu Xaver um und meinte: „Er hatte einfach die besseren Argumente“ – „Du meinst er hat Dein Gehalt verdoppelt, damit Du Dein geliebtes Berlin verlässt?“ – „Oder so!“ grinste er breit. „Ja aber sach mal Nicki, wo sin denn die janzen Christbaumkugln und wat man sonst noch so innen Baum hängen tut?“ – „Ja, Josef, das habe ich mich auch gerade gefragt?“ – Ich sagte doch, das ist nur der Testlauf, morgen früh um 11 wird er fertig sein und wenn Ihr alle spätestens um 10 da seid, kriegt Ihr das auch mit. Aber jetzt helft uns doch erst mal beim Ausladen, alles in die Scheune für Samstagabend und dann genehmigen wir uns schon mal einen Glühwein.“

Es wurde noch ein vergnüglicher Abend, der allerdings sehr zeitig zu Ende war, da wir uns ja sowieso am nächsten Morgen alle wieder sehen sollten.

Als ich am nächsten Morgen die Treppe hinunter kam, hatte Josef schon das Frühstück gerichtet und als er mich so im Bademantel die Treppe runterkommen sah, schickte er mich gleich wieder nach oben: „Mein Schatz, so gern ich Dich auch in Deinem Bademantel sehe, heute muss ich auf ordentliche Kleidung bestehen. Der Alois soll Dir was von mir aus meiner Trachtensammlung geben, da wird sicherlich was dabei sein, was dir passt.“

Als ich wieder nach oben ging, kamen mir Alois und Karl ebenfalls in schicker Trachtenmode entgegen. „Ich wusste nicht, dass es heute Morgen einen Dresscode gibt. Habt Ihr denn für mich auch noch was in der Art?“ – „Komm mit, ich werde schon was Anständiges für Dich finden. Und dann kann ich dich auch mal wieder ohne Klamotten bewundern! Seit Ihr 2 ein Paar seid, ist ja nichts mehr mit uns gelaufen. Schade eigentlich, aber ich verstehe schon, dass Ihr 2 Turteltauben unter Euch sein wollt, aber schad ist´s halt schon. Karl ist auch kein übler Kerl aber eben nicht so ausdauernd wie du. Meistens spritzt er nach ein paar Stößen schon ab. Jaja, Mann hat´s nicht leid heutzutage.“ – „Ach Du Armer, ja dann müssen wir Dich mal wieder mit zu uns ins Bett nehmen, damit Du mal wieder auf Deine Kosten kommst. Oder wollen wir gleich noch n Quickie einschieben?“ – „Nix da, heute passiert da nix, hab ja auch nur Spaß gemacht.“

Innerhalb von 5 Minuten war ich ausstaffiert und als wir wieder nach unten gingen, war die Sitzgruppe im Eingangsbereich schon gut gefüllt. Wir nahmen alle Platz und ließen uns das Frühstück schmecken, als draußen plötzlich ein Bus in den Hof fuhr.

„Auf auf, meine Herren, wir kriegen Besuch, alle nach draußen bitte!“ – „Wen hast Du denn jetzt noch eingeladen?“ fragte ich Josef. „Das ist eine Überraschung und nun geh schon raus.“

Ich trat in den Hof in dem schon alle im Halbkreis um den Baum standen und sah wie sich die Bustür öffnete und mehr als 2 Dutzend an kleinen Knirpsen aus dem Bus stiegen. Sogleich stürmten sie auf den Tannenbaum zu und begannen ihre mitgebrachten, selbst gebastelten Sterne und Kugeln an den Baum zu hängen. Alois und Karl und all die anderen halfen ihnen die Deko auch an den Stellen aufzuhängen, an die sie noch nicht ranreichten.

„Grüß Gott, Herr von-der-Wacht!“ hörte ich eine weibliche Stimme mich ansprechen. Ich fuhr herum und sah in das Gesicht einer freundlich aussehenden jungen Frau. „Mein Name ist Julia Biedermann und im Namen des Katholischen Kindergartens von Balderschwang möchte ich mich als Leiterin noch einmal persönlich für Ihre großzügige Spende und den damit verbundenen Fortbestand unserer Einrichtung aufs allerherzlichste bedanken. Ja und wie sie sehen haben es sich die Kinder nicht nehmen lassen auch ihren Dank zu zeigen und haben dieses Jahr doppelt soviel gebastelt wie sonst.“ Ich war total von den Socken. „Nicht der Rede wert. Mann, da bin ich aber ganz schön überrascht! Habt Ihr alle davon gewusst?“ – Allgemeines Nicken war die Reaktion.

So langsam waren alle Kugeln und Sterne aufgehängt und Josef brachte mir eine Fernbedienung. „Was soll ich damit?“ – „Damit schaltest Du gleich die Beleuchtung ein!“ – Herr von-der-Wacht, warten Sie bitte noch einen Moment. Kinder, stellt euch bitte auf!“ Ein großes Gewusel kam auf, aber als alle an ihrer Stelle standen, ertönte sogleich ein „Schlittenfahrt im Schnee“ aus den vielen Kehlen der Kinder, im Übrigen eines meiner Lieblingsweihnachtslieder. Ich war total gerührt und stand ganz verdattert da, als mir Josef von hinten zuraunte: „Nun mach das Licht schon an!“ – „Oh, peinlich, sofort.“ Ich drückte auf den Knopf und die Lichter gingen an. Als die Kinder zu Ende gesungen hatten, begann ich als Erster meinen Beifall zu spenden, in den die anderen Anwesenden gleich einstimmten.

Jetzt hieß es wohl eine kurze Rede zu halten und eigentlich fiel mir spontan auch nichts ein. Dennoch begann ich:

„Liebe Kinder, ich danke Euch von ganzen Herzen, dass Ihr mein 1. Weihnachtsfest in der neuen Heimat so toll einläutet. Ich verspreche Euch, dass ich mir später noch eure tollen Bastelarbeiten ganz genau ansehen werde. Ich hatte ja keine Ahnung was mich da heute noch erwarten würde und jetzt habe ich nicht einmal was, womit ich Euch danke sagen kann.“ – Ein vorwitziger kleiner Junge rief: „Das brauchen Sie auch nicht Herr Wacht, Sie haben doch schon unseren Kindergarten gerettet!“ und ein kleines Mädchen im Mini Dirndl kam mit einem kleinen Blumenstrauß auf mich zugerast und wollte mich drücken. Ich ging in die Hocke um die Blumen entgegen zu nehmen, „Danke Herr von-der…“ – „Sag einfach Dominik, OK? Wer bist denn Du?“ – „Die Sarah“ und schon fiel sie mir um den Hals.

Und als wenn dies der Startschuss war, rannten auf einmal alle Knöpfe los und ich befand mich inmitten einer riesigen Gruppenumarmung. Sie wollten gar nicht aufhören, als ich dann auf einmal Xavers Stimme hörte: „Und als Gage für euer tolles Ständchen gibt´s jetzt für euch heiße Schokolade und einen Schokoladenweihnachtsmann von mir!“ Dagegen konnte ich nicht konkurrieren und die Meute stürzte sich nun auf Xaver und Dennis, die in der Scheune alles vorbereitet hatten. Ich ging erneut zu Frau Biedermann und bedankte mich für diese tolle Überraschung. Josef stand neben mir und ich wollte mich auch bei ihm bedanken, traute mich aber von den ganzen Kindern nicht so wirklich. Frau Biedermann schien dies zu bemerken und meinte nur: „Nun küssen Sie ihn schon. Es ist nur gut, wenn die Kinder auch mitbekommen, dass da nichts dabei ist.“ Ich fiel ihm um den Hals und flüsterte ihm ins Ohr: „Du bist echt der Beste, danke für die gelungene Überraschung.“ Dann gingen wir zu den Knirpsen und prosteten uns mit heißer Schokolade zu.

„So Kinder, Zeit für die Abfahrt, aber Ihr wolltet Herr von-der-Wacht doch noch etwas fragen?“ – Keiner traute sich so recht, als Sarah sich Kevin, den Vorlauten von vorhin schnappte und sich vor mich stellten: „Wir haben heute Abend Weihnachtsfeier im Kindergarten und wollten fragen, ob Du nicht auch kommen möchtest um mit uns Weihnachtslieder zu singen?“ Und ob ich wollte, aber mir fiel auch wieder ein, dass ich doch eigentlich Richard abholen wollte. „Gebt mir 2 Minuten, ich muss schnell was klären und dann bekommt ihr meine Antwort. Ich rannte zu Dennis und bat ihn an meiner Stelle Richard in Fischen abzuholen, wozu er sofort bereit war und rannte zurück zu den k**dies. „Ist gebongt, wann geht´s denn los?“ – „Um 6!“ – „Ich werde da sein!“

Dann postierte ich mich an der Eingangstür zum Bus und schüttelte jedem noch einmal die Hand. Als letzte stiegen Sarah und Kevin ein, die mich auch noch einmal drückten. Kevin drehte sich auf der Treppe noch einmal um und fragte mich: „Was wünscht Du Dir denn eigentlich zu Weihnachten?“ – „Hm, gute Frage, ich habe eigentlich schon alles! Vielleicht, dass Ihr mich im Frühjahr wieder besuchen kommt, wenn ich Geburtstag habe und wir dann ein großes Gartenfest machen, wie findest Du das?“ – „Ultracool. Dann basteln wir die Lampions, OK?“ – „Abgemacht.“ – Und Dominik…!“ – „Ja Kevin?“ – „Ich wünsche Euch, dass Ihr bald alle ne Frau findet und die dann alle bei euch einziehen. Ist doch bestimmt langweilig, so alleine mit den ganzen Männern, oder?“ – Ich musste lachen. „Nein, Kevin, wir fühlen uns auch ohne Frauen ganz wohl, aber da reden wir ein anderes Mal drüber, OK. Und jetzt rein mit Dir. Bis heute Abend!“

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